PETER LIECHTI (1951-2014)
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DAS SUMMEN DER INSEKTEN – Bericht einer Mumie (2009, Essay, 35mm 16:9, Dolby SR-D, 88')
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Ausschnit BZ
Ein fait-divers 2008
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• Director's Statement

• Vorgeschichte, persönlicher Zugang

• Lisette Gebhart: "Bis ich zur Mumie werde" – Shimada Masahiko und die Tradition der Verweigerung


Director's statement

"THE SOUND OF INSECTS – Record Of A Mummy" ist keine Literatur-Verfilmung, sondern die filmische Inszenierung eines literarischen Textes.

Der dramatische Monolog des Selbstmörders X ist an niemanden gewandt, ist weder deskriptiv noch retrospektiv, sondern ganz auf den Moment bezogen. Da ist kein Lamento, kein Selbstmitleid, keine Sentimentalität, im Gegenteil, manchmal scheint gar eine unterschwellige (Selbst-)Ironie durch.  Der Text drängt einem nichts auf, vertritt keine Moral und verzichtet auf jede Wertung; gerade dadurch trifft er sehr direkt.

X's Herkunfts-/Geschichtslosigkeit, seine Anonymität ist auch Chiffre für die allgemeine Entfremdung des Menschen in der globalisierten Welt; die Austauschbarkeit der wenigen "Charakteristika" seiner Persönlichkeit entspricht dem Lebensgefühl in einer durch und durch materialistischen Gesellschaft. Zum lebendigen, fassbaren Individuum  – auch für sich selbst – wird er erst durch seine ausserordentliche Leidensfähigkeit und den monströsen Masochismus seiner Tat. Gerade der Selbstmord durch Verhungern sei eine höchst persönliche Todesart, schreibt X in sein Tagebuch, weil man so für lange Zeit nur mit sich beschäftigt sei.

Der Akt des unbekannten Toten stellt schliesslich auch eine Form radikalster Verweigerung dar: Totaler Rückzug aus dem Getriebe der Leistungs-Gesellschaft, die vollkommene Verweigerung des Konsumierens, des Mitmachens, der Hetzerei in diesem Leben.
Die unterschwellige Kritik am zeitgenössischen Materialismus ist evident. Shimada stellt damit die klare Forderung, selber eine Haltung einzunehmen gegenüber der einmaligen Möglichkeit des Lebens. Die Abwesenheit jeglicher Stellungnahme durch den Autor bietet keinerlei Trost oder Versöhnung, sondern überlässt die Antworten auf die irritierenden Fragen ganz allein dem Zuschauer.

Darin liegt für mich die tiefere Provokation dieser Geschichte; sie weckt nicht nur Mitgefühl, sondern vor allem - ohne jedes Moralisieren – das Bedürfnis, zu widersprechen und den Wert des eigenen Menschseins zu behaupten.


VORGESCHICHTE, PERSÖNLICHER ZUGANG

Anfangs 2005 kam ich per Zufall in den Besitz einer CD mit dem seltsamen Titel "My Dear Mummy", einer Verbindung der Musik von Otomo Yoshihide (Tokyo) mit dem dramatischen Monolog "miira ni narumade" von Shimada Masahiko (Kawasaki City). Schon beim ersten Anhören hat mich diese CD ergriffen, und ich war elektrisiert von der beunruhigenden Spannung, die in dem einfachen Bericht eines Selbstmörders zum Ausdruck kommt. Seither hat mich diese Geschichte nicht mehr losgelassen...

Was mich von Anfang an fasziniert hat an dieser japanischen Novelle ist die verstörende Sachlichkeit, mit der hier von einer überaus traurigen und in vielerlei Hinsicht auch fürchterlichen Begebenheit berichtet wird. Leben und Tod sind in der Wertigkeit schlicht gleichgesetzt, wie im Protokoll eines wissenschaftlichen Selbstversuchs. Der Protagonist entzieht sich in völlige Anonymität. Da ist kein Lamento, kein Selbstmitleid, keine Sentimentalität, im Gegenteil, manchmal scheint gar eine unterschwellige (Selbst-)Ironie durch.

Mit seinem "dramatischen Monolog" stellt Shimada die klare Forderung, selber eine Haltung einzunehmen gegenüber der einmaligen Möglichkeit des Lebens. Die Abwesenheit jeglicher Stellungnahme durch den Autor bietet keinerlei Trost oder Versöhnung, sondern überlässt die Antworten auf die irritierenden Fragen ganz allein dem Zuschauer. Darin liegt für mich die tiefere Provokation dieser Geschichte; sie weckt nicht nur Mitgefühl, sondern vor allem – ohne jedes Moralisieren – das Bedürfnis, zu widersprechen und den Wert des eigenen Menschseins zu behaupten. Und "Menschsein" heisst vor allem Ausgesetztsein – dem Leben, dem Tod, dem Schicksal, dem Ungewissen... und sich damit irgendwie abzufinden oder allenfalls gar anzufreunden. Dieser aufregenden Rätselhaftigkeit unserer Existenz mit filmischen Mitteln Ausdruck zu verleihen, ist mir die spannendste Herausforderung an diesem Projekt.

Gedanken zum Thema

Shimada selbst sagt zu seinem Thema, der Suizid habe in Ostasien nie soziale Ausgrenzung oder gar Sünde bedeutet, sondern sei als Ritual seit je in die Kultur integriert. Er erzählt auch von den aktuellsten Formen ritueller Selbstmorde in Japan, von jungen Menschen, welche ihre Absichten im Internet publizieren und auf diesem Weg GenossInnen suchen, um mit ihnen gemeinsam Selbstmord zu begehen. Dabei spielten nicht nur soziale oder private Probleme eine Rolle, sondern eine völlig neue Form existentiellen Überdrusses, eine Art "emotionaler Unterforderung".

Wo das Leben keine Möglichkeit zur Verwirklichung mehr bietet, zeigt sich vielleicht im Tod die Erfüllung. Dabei geht es auch um das uralte Bedürfnis des Menschen nach Anerkennung in seiner Gesellschaft, nach starker Empfindung und Höchstleistung, ja Heroismus (die Samurai-Gesellschaft) – den Wunsch, einer weitgehend anonymen Existenz wenigstens ein sehr persönliches Ende zu bereiten. Gerade der Selbstmord durch Verhungern sei eine höchst persönliche Todesart, schreibt der Protagonist in sein Tagebuch (vgl. Seite 15), weil man lange Zeit nur mit sich beschäftigt ist.
So wie Durst im übertragenen Sinn das Bedürfnis nach intellektuellem Gefordertsein, den Wissens-Durst meint, so steht Hunger für den seelischen, den emotionalen Bereich – Erlebnis-Hunger, Liebes-Hunger.

Wenn man nicht mehr gebraucht wird, so heisst das auch, man braucht sich selbst nicht mehr. Man will sich loswerden. Der Körper, das ganze vegetative System ist aber unheimlich vital; das Niederkämpfen der eigenen Natur ist ein sehr viel härterer Kampf, als X sich vorgestellt hat...

Durch die Intensität des körperlichen Er-Lebens kommt sich X tatsächlich selbst sehr nahe; fast könnte man von Frieden sprechen, den er auf diese Weise mit sich findet. Man spürt, dass für ihn die Erlösung nur noch darin liegen kann, seinen Weg bis zum Ende zu gehen; deshalb ist man auch bereit, ihn bis dahin zu begleiten. "Die Zeit ist reif"... Ohne Dramatik, mehr intuitiv, folgt er einfach "dem Ruf" – fast wie ein Tier, das sich zurückzieht zum Sterben.
So scheint X denn auch eine Art Befreiung aus dem Gefängnis seiner Einsamkeit zu finden, wenn er schreibt: Irgendjemand ist gekommen...

Der Akt des unbekannten Toten stellt schliesslich auch eine Form radikalster Verweigerung dar: Totaler Rückzug aus dem Getriebe der Leistungs-Gesellschaft, die vollkommene Verweigerung des Konsumierens, des Mitmachens, der Hetzerei... in diesem heutigen Leben. Die unterschwellige Kritik des Originaltexts am zeitgenössischen Konsumismus ist evident. Der Autor schreibt am Schluss seiner Geschichte:
"I dedicate this to all the people on a hunger strike or fasting and to the anorexics of the world..."

Peter Liechti


»Bis ich zur Mumie werde«

Shimada Masahiko und die Tradition der Verweigerung – japanische Texte und Inszenierungen wider die moderne Gesellschaft

Vortrags-Skizzen von Prof. Dr. Lisette Gebhardt (Japanologie/Universität Frankfurt)

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Der bekannte japanische Autor und Theaterregisseur Shimada Masahiko (*1961) publiziert in seiner Anthologie Arumajiro-ô (Der Gürteltierkönig) im Jahr 1991 einen faszinierenden Text: Miira ni naru made (Bis ich zur Mumie werde; zuerst erschienen im Magazin Chûôkôron, Winter 1990). Die Erzählung schildert aus der Tagebuchperspektive den sich über sechzig lange Tage hinziehenden Hungertod eines Mannes. Die Geschichte hat einen authentischen Hintergrund, die japanischen Medien berichteten seinerzeit über den Fall. Warum der Mann, erst vierzig Jahre alt, auf diese Weise und überhaupt Selbstmord begeht, weiß niemand – obwohl er ein Tagebuchbuch hinterlassen hat. Shimada wartet ebenso mit keiner Erklärung auf. In präzisen Schilderungen begleitet er den Mann, bis der Unbekannte endlich an Auszehrung stirbt. Ein Hasenjäger hat ihn gefunden, in einer kleinen Hütte im Norden Japans – als Mumie, recht gut erhalten und vermutlich parfümiert.
Das Stück mit seinem bedrückenden Inhalt hat mittlerweile in der internationalen Kunstszene Resonanz gefunden. Daß gerade diese Arbeit Shimadas rezipiert wird und die Rezeption mehrere Jahre nach der Publikation stattfindet, mag verwundern. Als eindringliches Portrait einer letalen Ich-AG, so ein Kommentar aus dem Internet, trifft der Text heute den Zeitgeist vielleicht noch stärker als zu Beginn der 1990er Jahre: Hier zieht sich ein Großstädter, ein Konsument, aus dem urbanen Wohlstand und seiner scheinbaren Behaglichkeit zurück, um einsam in der Natur zu verhungern. In der japanischen Religionsgeschichte gibt es für diese Art des Ablebens eine Tradition: die des „Mumienbuddhas“ (miira bosatsu). Mit der Praxis der Selbstmumifizierung sollte die religiöse Disziplin (des betreffenden Ordens) auf die eindrucksvolle Probe gestellt werden; die mumifizierten Asketen wurden dann als „Buddhas“ verehrt. Nicht utilitaristisch betrachtet, ist die Selbstmumifizierung ein Sieg des Geistes über den Körper, über die Bedingungen des Lebens auf dieser Welt.
Shimadas Subversivität der konsequenten Lebensverweigerung bildet den Ausgangspunkt für eine Diskussion über moderne kritische Positionen in der gegenwärtigen Literatur- und Theaterszene.

1. Zum Vorgehen

- japanologisch-literaturwissenschaftliche Sicht auf die Kulturszene der Nachkriegsdekaden mit ihren zentralen Bezugspunkten:

- Stichworte zur japanischen Kulturszene; Achsen sind: Folkorerenaissance/Rückkehr des „dunklen Japan“=Yanagita Kunio; Hijikata Tatsumi und sein Tanztheater; Mishima Yukios Tod

- Ausgangspunkt ist wie angekündigt der Text eines bekannten japanischen Schriftstellers, Shimada Masahiko; während dieser Autor an der Schnittstelle zwischen Literatur und Theater agiert, wie es im übrigen einige japanische Schriftsteller tun, lässt der Text wichtige Paradigmen gegenwärtiger japanischer künstlerisch-intellektueller Argumentationen erkennen, ebenso wie mir die internationale Adaption und Inszenierung des Textes interessant erscheint

- Schnittstellen: in den Bereichen Literatur (bungaku) und modernes Theater in Japan (ab 1945) gibt es schon länger prominente Schnittstellen, z.B. Abe Kôbo (1924-1993) (seit 1973 Abe Studio) und Mishima Yukio (1925-1970) (seit späten 1950er Jahren Verfasser von Stücken, darunter „Sechs moderne Nô-Spiele, 1962); auch Butô, z.B. Ikone Hijikata u. lit. Avantgardeszene verknüpft 

- Shimada Masahiko (*1961) ist ein sehr theaterorientierter Schriftsteller; noch relativ unentdeckt (MA Arbeit geplant an der Japanologie Frankfurt) – mit seinen interessanten frühen Texten Anfang der 1980er Jahre, der auch Theaterstücke (Gruppe 1990er Jahre) schrieb z.B. (Ularium/Ulalume 1988; Luna 1990); spannend die Adaption durch westliche Künstler (Tanz, Hörspiel, Film); beachtlich sein szenischer Wille zur Form, der in Miira ni naru made zum Ausdruck kommt! Miira ist sozusagen butohhaft, wenn wir Butoh als anarchisch-subversiv sehen, düster, erschreckend, Themen berührend wie Tod, Jenseitswelt, Transformation, Traumata …

- zum Autor: am Anfang seiner Karriere, in den frühen 1980er Jahren, ist Shimada Masahiko vor allem eines: unglaublich schön.

Deshalb hat man ihn den leuchtenden Prinzen (Hikaru Genji) der japanischen Literaturszene genannt. Ob Shimada aufgrund seiner (immer noch vorhandenen) Attraktivität 2003 als Professor an die Tôkyôter Hôsei Universität berufen wird oder ob dieser Ruf auf seine zahlreichen künstlerischen Unternehmungen zurückzuführen ist, sei dahingestellt. Shimada, der auch vom Skandalphotographen Araki Nobuyoshi portraitiert wird, studiert zunächst russische und andere osteuropäische Sprachen und Literaturen an der Tôkyô Universität für fremde Sprachen. Mit seinen ersten Texten, darunter „Divertimento für eine sanfte Linke“ erfährt der junge Autor, damals erst 22 Jahre, viel Beachtung als eine innovative Stimme der japanischen Literatur. Mehrfach wird er für den Akutagawa Preis vorgeschlagen, erhält ihn aber nicht. Vielleicht spielt Shimadas Renitenz eine Rolle? Denn sein Äußeres täuscht, der Autor liebt das Satirische, die Spitze, die Kritik, und er passt sich nur ungern Konventionen an.

- Argumentation: Shimada Masahiko vertritt eine Tradition der Verweigerung und des Antikonservatismus, seine Texte und Inszenierungen sind wider die moderne japanische Gesellschaft gerichtet, Kritik am Leben in Metropole und vor allem Suburbia, an der Konsumgesellschaft/Trivialität, Japans politische Ausrichtung seit der Nachkriegszeit, Japans (mangelnde) internationale Positionierung, Verlorensein der jüngeren Generation, Absurdität, neureligiöse Lehren, allgemeine und nachhaltige Subversivität/Renitenz

- Vorgehen: Shimadas Text und seine Bedeutung, seine Adaptionen stehen im Mittelpunkt, aber ich suche eben die Verbindung zu Positionen, die ein zentrales Thema des japanischen Gegenwartstheaters sind; durch die Erläuterungen zu Shimada bekommt man eine Einführung in die Problemlagen der japanischen Gesellschaft – die eben vor allem auch das Theater aufgreift, und nicht zufällig: Shimada Masahiko war ja für einige Zeit (1990er) selbst Theaterautor, Regisseur und Schauspieler

2. Hörprobe „Mumie“    (ca. 5 Min.)

- es existieren interessanterweise schon Adaptionen des Textes Miira ni naru made von Shimada – wie in der Ankündigung meines Beitrags erwähnt; mitgebracht habe ich die CD, eine ost-westliche hörspielartige Inszenierung des Textes  von Fritz Ostermayer (Rezitation) und Otomo Yoshihide (Musik) (Übersetzung des Textes ins Österreichische von Eckhart Derschmidt); uraufgeführt diese Performance 1994 in Japan

3. „Bis ich zur Mumie werde“ – Kontext und Adaptionen

Adaptionen:

a.) Vertonung bzw. Inszenierung mit japanischen und österreichischen Künstlern/ Otomo Yoshihide und Fritz Ostermayer/Rezitation; Aufführung 5.11. 1999 im Alten Schlachthof, Wels; CD „My Dear Mummy“ vom Label Charhizma

b.) Miira ni naru made. Bis ich zur Mumie werde. Ein Butoh-Tanzsolo von und mit Harald Schulte (Butoh-Tänzer und Gründer der Companie Danse Automatique/Mühlheim); Aufführung am 4. 2. 2005 im Ringlokschuppen/Mühlheim an der Ruhr; Zitat: „Tödliche Einsamkeit, Isolation, die finale Ich-AG“

c.) Peter Liechti: „Bericht einer Mumie“ (in Produktion, für 2008 geplant)
Zitat Peter Liechti: „Bericht einer Mumie ist die dokumentarische Annäherung an einen fiktionalen Text, welcher wieder auf einer wahren Begebenheit beruht. Ein filmisches Manifest für das Leben – herausgefordert den radikalen Verzicht darauf“

Warum wird gerade diese Arbeit Shimadas rezipiert, mehrere Jahre nach der Publikation?

- in seiner Konsequenz der Verweigerung, als eindringliches Portrait einer „finalen“ oder letalen „Ich-AG“, so der Kommentar aus dem Internet, trifft der Text heute den Zeitgeist vielleicht noch stärker zu Beginn der 1990er Jahre

- gelungene Form

- eindringliche Botschaft (geeignet für Inszenierung)

- aktueller Bezug (Globalisierungsdruck, Konsumzwang, Angst, Leere, Einsamkeit)

Analyse:

Positionen des Texts:

a.) Absage an das Leben
b.) ein Gegentod zu Mishima Yukio –aber auch japonesque?
c.) Bezugspunkt europäische Kultur
d.) Shimadas Message

a.) Absage an das Leben

zunächst: ein gelungenes Selbstmordstück innerhalb einer Tradition literarisch-künstlerischer Todestexte

Gründe für die Selbstvernichtung des Unbekannten ?

- Lebensmüdigkeit: er hält selbst fest, daß ihm die Umstände des Lebens nicht getaugt hätten, er im Leben nichts gefunden habe, das ihm gefallen, ihn gehalten hätte; Enttäuschung, Langweile, Isolation, Einsamkeit: „von der Welt vergessen worden“ („und er war sich dessen bewußt“); zwischenmenschliche Beziehungen nicht gelungen (Suche nach Frau); keinen Sinnbezug (Gott), „unbedeutendes Leben“ = Sinn durch den Tod

- Leben ist Schmerz

- Selbstbestätigung/Selbstbehauptung: Sterben sollte man sich für sich selbst, Kampf mit sich selbst; Stolz der Selbstüberwindung, es so lange Zeit ertragen zu haben; Tat, die so leicht kein anderer nachmachen kann; Einzigartigkeit, Lebensleistung; Vergleich mit religiös Fastenden: Buddha, Jesus

- „Samurai“-Tod: Charakter- und Mutbeweis eines in Schande lebenden Abhängigen, Befehlsempfängers; Aufbegehren gegen die Entmündigung, Entindividualisierung; Ausleben des Ich auf extreme  Art; Narzißmus, Selbstvoyeurismus und Wunsch anderen davon Zeugnis abzulegen (Tagebuch=Ich-Roman des Todes!?); Gesten nach außen: anfangs Hoffnung aufgefunden zu werden, vorauseilende Parfümierung der Leiche (allerdings keine Nennung seines Namens)

- Sehnsucht nach der anderen Welt; Hoffnung auf Götter, Jenseits, Seele findet dort etwas, Anwesenheit eines Gegenübers, „Licht“! (gleichzeitig Dementi u. Angst, daß die andere Welt ebenso wie diese hier sei: „Manager“); Gegenposition zum japanischen Jenseits und seiner romantisch-ethnoesoterischen Verklärung durch Nationalisten!

- Mutmaßungen: Protagonist = „Sonderling“ (kawarimono), eventuell früher von den Eltern gequältes/mißbrauchtes Kind (Furcht von Dunkelheit und Alleinsein) oder Tod eines Schriftstellers/Künstlers, der keine Anerkennung gefunden hat (Bücher und Musik; absichtlicher Rückgriff auf eindringlichstes Ritual Tod, da seine Texte ansonsten niemanden interessieren; Verzicht auf Namensnennung hier als Ironie, doppelter Protest)

- Deutung in gesellschaftskritischer Perspektive: extremes Aussteigen, Hungertod=Protest der Lebensverweigerung gegen gefühls- und kulturlose Umwelt (symbolisiert durch den gierigen Fleischer/Jäger), fremdbestimmtes Leben in unauthentischer, langweiliger, normativer Massen- und Konsumgesellschaft; Beispiel auch Mittelschüler, die Selbstmord begehen (er hört es im Radio; „Freunde“) und Hot Dog und Cola Verkauf sogar in der Unterwelt

- es ist ein Tod in Japan (aber international nachvollziehbar): japanischerspezifischer Tod? Japankritisches? (eindeutig japanisch: ja, Nennung Kushiro/Hokkaidô, japanisches Essen/sushi, tendon, Yakuza (! Vorsicht, falsch gesprochen !), Mishima/“Haß auf die japanische Gesellschaft“/Japanhaß wichtiges Moment japanischer Künstler! Sehr zentral und ambivalent in Sachen Tradition und Rezeption westlicher Avantgardekunst (Beispiel Yokoo Tadanori), schwierig zu bemessen, wunder Punkt/Trauma der westlichen Moderne u. Trauma der hierarchischen Vormoderne ;  japanische Schlager als Brechmittel!)

- der wichtigste Geste bzw. der zentrale Diskurs der japanischen Avantgarde der 1960er, auf die der Text anspielt, ist die antirestaurative und antimoderne Pose: „The artistic experiments of the sixties were bound together by a common revolt against what was perceived as the overregimented, rationalized, and de-eroticed society that had emerged in Japan after World War II. They all sought to reaffirm, albeit in diverse ways, an anarchic, erotic, premodern Japanese sensibility” (David Goodman 1999:  1)

- d.h. Artikulation von Zivilisations- und Modernekritik (han-kindai), Kritik der verwalteten und leistungsorientierten Gesellschaft, der Überformung durch westliche, kapitalistische Normen und Verlust von Identität prägt japanische Texte und Stücke der Nachkriegsdekaden bis heute!

- inszenierte bzw. erfundene indigene Identitäten, Folklorerenaissance; Beschwörung der japanischen Geister gegen die westliche Moderne = Yanagita Kunio Boom ab 1960er; Geisterrenaissance, japanischer Animismus, Schamanismus oder Urreligion ; oft dann mißbraucht in konservativen Diskursen, die die japanische „andere Welt“ (ano yo, ikai) als nationale Utopie beschwören ; oft Rückgriff auf antimoderne, archaisierende europäische Avantgarde (hybridisierte Idee frei nach Heine)

- in der Dekade der 1960er entfalteten sich neben dem angura auch noch andere Avantgarde-Künste im Zeichen des Aufbegehrens gegen die sich firmierende restaurative und normative Nachkriegsgesellschaft ; japanischer butô-Tanz/Tanztheater (relativ gut dokumentiert bzw. bereits untersucht in den 1980ern – heute!?, z.B. Hoffman, Ethan: Butoh: Dance of the Dark Soul, 1987 sowie Viala, Jean and Nourit Masson-Sekine: Butoh. Shades of Darkness, 1988; Haerdter/Kawai 1988)
- frühes Japan Bashing , d.h. Artikulation von Japanhaß, aber von japanischer Seite aus ; heute Bubblonia Bashing (Kirino Natsuo)

b.) ein Gegentod zu Mishima Yukio – aber auch japonesque?

- wichtiger Hinweis auf den Autor Mishima ; charismatische Figur (Photoinszenierung!)

- Mishima Yukios Tod und seine Bedeutung für die japanische künstlerisch-intellektuelle Zeitgeschichte; 25. 11. 1970 Selbstmord durch seppuku in Ichigaya, Tatenokai, Aufruf zum japanischen Gesinnungswandel; seppuku = Atavismus, selbstironische Inszenierung, „bushidô-japonesquer Tod“; auch im Westen viel beachtet (Paul Schrader: „Mishima – A Life in Four Chapters“); ambivalent beurteilt zwischen Psychopathologie und nationalistischer Renaissance; im kulturellen Gedächtnis Japans

- Gegentodmodell wäre  „buddhistisch-japonesque“: Tradition des „Mumien­buddhas“ (miira bosatsu); Selbstmumifizierung ein Sieg des Geistes über den Körper, über die Bedingungen des Lebens auf dieser Welt, Lehre/Technik von Kûkai (es gibt ca. 24 Mumienbuddhas, vor allem in Nordjapan; Kûkai (774-835; Heian Zeit, Gründer des Shingon (esoterischer) Buddhismus, Berg Koya) schreibt über die Prozedur der Selbstmumifizierung, die ca. 10 Jahre dauert, Diät, Lacktee, Höhleneinmauerung); also Inszenierung eines buddhistisch-japanischen Todes angemessener als seppuku!  Weltentsagende Pose gegen militaristische Pose ; härterer Tod!

- Mishimas Tod bedeutete einen Wendepunkt im intellektuellen Leben Japans,  markierte das Ende der 1960er Bewegung und des sogenannten underground-Theaters/angura) ; der Kulturwissenschaftler Suga Hidemi hält fest: “a performance that parodied underground theatre itself“ (2003)

- bezeichnend, daß Shimadas Protagonist von „Mishima besessen“ ist ; Protagonist ist ca. 1958 geboren, d.h. eine Dekade nach der Generation, die den studentischen Protest der 1968er trug ; diese Generation weiß kaum mehr eine Möglichkeit, Protest zu formulieren – es sei denn durch Konsumverzicht und Selbstmord – allerdings nicht öffentlich; Rückzug aus der Rolle als Humankapital

c.) Bezugspunkt europäische Kultur

- der intellektuelle Horizont des Selbstmörders ist stark von westlicher/europäischer Literatur (Dantes „Göttliche Komödie“, Becketts „Malone stirbt“) und Kunst/Musik geprägt (Bach, Mozart) ; seine (geistige) Nahrung  – japanische Schlager verursachen Übelkeit

- er verbleibt nicht in der „japanischen Dunkelheit“, die z.B. auch oft vom Butô gegen die westliche Moderne/Aufklärung beschworen wird, sondern strebt ausdrücklich nach dem „Licht“ (Schlusswort: „hikatte iru“) , erinnert an Goethes letzte Worte

- Europaorientierung ist typisches Phänomen der japanischen Bildungsschicht (auch Mishima, Abe Kôbô); „Generation Europa“ (etwa bis zu den in den 1960ern Geborenen), Abgesang Ôe Kenzaburô (Tagame. Berlin – Tokyo; von Europa nicht genug geliebt?!) auch eine Grenzreise zwischen Leben und Tod

d.) Shimadas Message

- Hungertod in der japanischen Moderne, der japanischen Gegenwart, „im grossen Fressen“; humoristisch, selbstironisch (Thema nur so zu ertragen) 

- Humor/ironische Haltung (Shimadas und seines Protagonisten): Jäger kommt zur Hungerhütte, um seine „Jause zu essen“ (!) (schon zum Auftakt erste Zeilen, erster Abschnitt) ; zahlreiche witzige Stellen in der Verzweiflung: hungrige Steckmücke, Traum von Yamanote-Linie, Körper zu Nudeln verarbeitet

- zeitliche Perspektive: fiktives Datum 1998 (Beginn der Prozedur: 7. August, Ende: 7. Oktober, Auffindung Januar 1999!) ; prophetische Gabe Shimadas, denn 1998 ist deklariertes Großproblemjahr der japanischen Gesellschaft in der sogenannten „lost decade“ der 1990er; man könnte sich sogar einen radikalen Aum-Anhänger vorstellen, aufgrund der unappetitlichen semi-religiösen Radikalität, aber dandyhafte Pose des Parfümierens und Liebe zu Musik und Literatur spricht dagegen.

- Anspielung auf politisches Klima in Japan: Mishima und Ôshima Nagisa (berühmter Avantgarde-Regisseur der 1960er, 1970er; „Im Reich der Sinne“) „Kaette kita yopparai“ (1968), Film/Politsatire über Japaner, denen am Meer die Kleider gestohlen werden und die für illegal einreisende Koreaner gehalten werden; damit Bezug auf die Protestdekade!

- Text bringt Frustration des Autors im Hinblick auf sein trostloses Heimatland zum Ausdruck, sehr große Plastizität, die die Leser in ihren Bann zieht; erinnert an Abe Kôbôs (1924-1993) „Känguruhefte“ (1991), in denen ebenso von einer phantastischen Fahrt in die Unterwelt erzählt wird.

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Weitere Texte im Zusammenhang mit dem Film(projekt)


Tagebuch eines langen Sterbens

Antje Hildebrandt, Berliner Morgenpost, 14. Februar 2008

Es muss der 6. Dezember 2007 sein, als ihm sein Leben endgültig entgleitet. In seinem Notizbuch wird Peter Z. notieren, heute müsse wohl Nikolaus sein. So genau weiß er das jedoch nicht mehr. Peter Z. hat schon seit Wochen keinen Bissen Nahrung mehr zu sich genommen, von der Öffentlichkeit unbemerkt, ist er in einen Hungerstreik getreten. In einem Notizbuch protokolliert er seinen eigenen Verfall mit der Genauigkeit eines Forschers, der einem Insekt beim Sterben zusieht. Wie er abmagert. Wie er spürt, dass langsam das Gefühl aus seinen Gliedmaßen schwindet. Er schreibt über den Geschmack, wenn die Galle hochkommt, wenn er in seinem ausgetrockneten Körper nur noch Schleim im Mund spürt.

Akkurat bis zum Schluss
Randvoll hatte der 58-Jährige das DIN-A5-Buch mit dem dunkelblauen Plastikeinband beschrieben, und so eng, dass man auf den Seiten kaum noch weiße Lücken erkennen konnte. Akkurat bis zum Schluss hatte der Mann seine Beobachtungen zu Papier gebracht. Weiterlesen: www.morgenpost.de


Julia Jüttner, Spiegel Online, 13. Februar 2008

Hungertod auf dem Hochsitz

Ein vereinsamter Arbeitsloser setzt sich auf sein Rad, fährt hundert Kilometer weit, sucht sich eine Stelle zum Sterben - und hungert sich zu Tode. Der Selbstmord des Hans-Peter Z. schockiert hartgesottene Ermittler. Warum entschied sich der 58-Jährige für diesen qualvollen Abschied?

Northeim - Sein Wille, bis zum letzten Atemzug zu hungern, war ungebrochen. Wann Hans-Peter Z. den Entschluss fasste, aus dem Leben zu gehen, ist unklar. Umgesetzt hat er ihn, als er sich Mitte November auf sein Fahrrad setzte und von seiner kleinen Wohnung am Harzburger Platz in Hannover ins niedersächsische Mittelgebirge Solling radelte. Nur mit einem Rucksack, den Kleidern am Leib und einem dunkelblauen Wasserkanister trat der Arbeitslose seine letzte Reise an.

In einem Hochsitz zwischen Stehberg und Dingberg nahe Uslar fand der 58-Jährige sein letztes Zuhause, hier wollte er sterben. Nach Rekonstruktion der Polizei nahm der 1,70 Meter große Mann ab diesem Zeitpunkt keine Nahrung mehr zu sich, trank nur selten ein paar Schluck Wasser. 24 Tage dauerte sein qualvolles Sterben, das er detailliert in einem Tagebuch dokumentierte. Es wurde neben seinem mumifizierten Leichnam gefunden.

Warum entschied sich Hans-Peter Z. für diesen schmerzhaften Abschied? "Sich zu Tode zu hungern, ist eine absolut seltene Art des Suizids. Ich kenne keinen vergleichbaren Fall", sagt Armin Schmidtke, Professor an der Universität Würzburg und Vorsitzender der Initiativgruppe "Nationales Suizid-Präventionsprogramm", SPIEGEL ONLINE. Bekannt sei das nur bei Anorexie-Patienten oder bei sehr alten, oft kranken Menschen, denen der Lebenswille versagt.

In der Forschung unterscheide man zwischen "harter" und "weicher" Methode, aus dem Leben zu scheiden: Männer wählten meist die härtere Methode ohne Chance und mögliches Überleben - Erhängen, Erschießen, Ertrinken. Je weicher die Methode, umso eher sei es als Appell an die Umwelt, zu verstehen. Dazu entschieden sich meist Frauen. Sich zu Tode zu hungern, zählt Schmidtke zu den "harten Methoden". "Das ist ein sehr grausamer, langwieriger Prozess. Da ist es vergleichsweise fast human, sich eine Kugel in den Kopf zu jagen."

"Jeder Suizid hat eine Vorgeschichte", erklärt Diplom-Psychologe Georg Fiedler vom Therapiezentrum für Suizidgefährdete des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. "Fest steht, dass dieser Mann einen großen Sterbewillen gehabt und sich von den anderen Menschen abgewandt haben muss."

Bis Oktober hatte der 58-Jährige Arbeitslosengeld bezogen, beantragte aber weder Hartz IV noch Frührente. Die prekäre finanzielle Situation allein erkläre seinen Entschluss nicht unbedingt, sagt Fiedler. "Er ist nicht der einzige Arbeitslose, der verzweifelt nach einem Ausweg sucht. Aber offenbar hatte er keine Möglichkeit, Hilfe zu suchen, und dieser Weg war der einzige, der ihm eingefallen ist."

Ein Weg, der die Öffentlichkeit erschüttert hat. In einem Tagebuch zeichnet Hans-Peter Z. sein langsames Sterben auf, wie seine Organe langsam versagen, seine Haut eintrocknet, der Verstand strauchelt. Am Ende bittet er diejenigen, denen das Büchlein eines Tages in die Hände fallen werde, es seiner Tochter Joana zu übergeben. Ein Vermächtnis mit Folgen. "Man muss sich vorstellen, wie sich die Menschen fühlen, an die es gerichtet ist. In der Regel ist es für sie schwierig, damit umzugehen", sagt Fiedler. "Sie empfinden meist Schuldgefühle, Ärger oder Wut, dass sich jemand auf so eine Weise davonstiehlt. Die Angehörigen leben danach mit einer großen Last und wissen oft nicht, wie sie damit zu leben haben." Sie habe seit Jahren keinen Kontakt zu ihrem Vater gehabt, sagte Joana Z. SPIEGEL ONLINE. Doch selbst wenn: "Nahestehende haben meist keine Chance, einen Suizid zu verhindern", sagt Fiedler.

Wollte Hans-Peter Z. den Arbeitslosen eine Stimme geben?
Die Aufzeichnungen sollen nach Polizeiangaben der Tochter bereits vorliegen. "Dieses Tagebuch ist ein erschütterndes Dokument", sagt Sigrun Teske SPIEGEL ONLINE. Ihr Mann Rudi, ein Jäger, hatte den abgemagerten, keine 50 Kilo schweren Leichnam auf dem Hochsitz entdeckt. "Aber warum wählte er diesen Weg des Suizids?"
Vielleicht erklärt es Hans-Peter Z. in seinen Aufzeichnungen oder zwischen den Zeilen. Aber auch unabhängig davon habe das Tagebuch eine immens kommunikative Funktion, sagt Schmidtke. Wen wollte Hans-Peter Z. damit erreichen? War es ein öffentlicher Suizid? Wollte er den Arbeitslosen in Deutschland eine Stimme geben? Schmidtke wertet das Tagebuch als deutliche "Botschaft an die Umwelt: Einer, der sich verbrennt, will auch eine Botschaft vermitteln."

Suizid sei grundsätzlich ein aggressiver Akt, sagt Fiedler. Offiziellen Statistiken zufolge nehmen sich jedes Jahr in Deutschland zwischen 11.000 und 13.000 Menschen das Leben, die meisten sind Männer. Im Jahr 2000 zum Beispiel nahmen sich 8131 Männer und 2934 Frauen das Leben. Die Dunkelziffer ist um ein Vielfaches höher. Auch bei Opfern von Verkehrsunfällen und Drogentoten dürfte der Anteil nicht erkannter Suizide erheblich sein. Die Suizidrate nimmt mit dem Lebensalter zu: Während sie bei jungen Menschen vergleichsweise niedrig ist, steigt sie besonders bei Männern ab dem 60. Lebensjahr.

Hans-Peter Z.s tragischer Tod ist das spektakuläre Ende eines unspektakulären Lebens: Er hatte sich nach Informationen der "Hannoverschen Allgemeinen" nach der Schule für zwölf Jahre bei der Bundeswehr verpflichtet, arbeitete anschließend als Bürokaufmann und später als Vertreter für Hängestühle. Vor wenigen Jahren machte er sich selbständig, scheiterte und wurde arbeitslos. Zuvor war seine Ehe in die Brüche gegangen. Bis zu seinem Tod soll er nach Aussagen seiner Tochter weder mit ihr noch mit seiner Ex-Frau Kontakt gehabt haben.

Hans-Peter Z. scheint den Hochsitz nur ein einziges Mal hochgeklettert zu sein, fest entschlossen, ihn nicht wieder lebend zu verlassen. Ob er einen Bezug zu seinem Sterbeort hatte, ist unklar. "Selten wählen Suizidpatienten einen ihnen unbekannten Ort. Oft dagegen einen Platz, mit dem sie besondere Erinnerungen verbinden", sagt Suizid-Forscher Schmidtke.

Suizidalität sei mit einer hohen Ambivalenz zwischen dem Wunsch, zu sterben, aber auch zu leben, verbunden, sagt Fiedler. "Die meisten wollen nicht sterben, sondern wissen einfach nicht, wie sie weiterleben können."

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,druck-535060,00.html

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